Veröffentlicht am 6. Dezember 2012

Rüstungsbetrieb Klöckner produzierte auch für den Luftschutz

Klöckner-Werke Osnabrück lieferte Bauteile für Schutzräume und Luftschutzzellen

Einmannbunker bei den ehemaligen Teuto-Metallwerken am Ickerweg
Bildquelle: Haubrock, 2011

Kaum ein Unternehmen in Osnabrück hatte durch den Bombenkrieg so immense Schäden zu verzeichnen wie das Werk Osnabrück der Klöckner-Werke AG. Als kriegswichtiger Rüstungsbetrieb, gelegen in unmittelbarer Nähe des markanten Eisenbahnkreuzes und des Güterbahnhofs, war das Stahlwerk schon sehr früh Hauptziel alliierter Luftangriffe gegen die Hasestadt. Dies zeigte sich bereits mit Beginn der Luftangriffe auf Osnabrück am 23. Juni und 3. Juli 1940, bei denen die ersten vier Osnabrücker Bombenopfer zu beklagen waren, es waren allesamt Mitarbeiter der Klöckner-Werke Osnabrück.

Zur dieser frühen Phase des Krieges im Sommer 1940 war die Stadt Osnabrück auf Angriffe aus der Luft nur unzureichend vorbereitet. Auch wenn es sich zu Beginn der allierten Luftoffensive zunächst nur um kleinere Störangriffe handelte, welche durch den um Osnabrück geschlossenen Gürtel aus Flak-Batterien noch relativ erfolgreich abgewehrt werden konnten, so waren die Kapazitäten der wenigen in Osnabrück vorhandenen Schutzräume noch zu gering. Mit dem Bau der ersten vier öffentlichen bombensicheren Luftschutzbunker im Stadtgebiet wurde erst nach Erlass des Luftschutz-Sofortprogramms vom 10. Oktober des Jahres begonnen, welches die sofortige Ausweitung bzw. Einleitung des Bunkerbaus in stark luftgefährdeten Gebieten vorsah.

Zerlegte Einmannbunker am Zechenbahnhof Piesberg in Osnabrück.
Bildquelle: Haubrock, 2009

Die Menschen mussten somit noch bis zur Fertigstellung der Bunker in den Jahren 1941, 1942 auf notdürftig gesicherte Kellerräume und Splittergräben zurückgreifen oder selbst eigene Erdbunker in den Gärten anlegen. Die Entwickung effektiver und zugleich kostengünstiger Schutzräume war folglich von zunehmendem öffentlichen und privatem Interesse. Diverse Firmen boten seit dem Erlass des ersten Luftschutzgesetzes im Jahr 1935 ein immer breiteres Spektrum an Schutzraumbedarf an und auch das Osnabrücker Stahlwerk fand für seine Produkte frühzeitig eine Verwendung im Luftschutzbau. Hierbei spezialisierte sich das Unternehmen insbesondere auf Betonwaren, wie z.B. splittersichere Betonblenden zur Schutz von Kellerfenstern. Diese hatte das Werk bereits 1938 unter der Kennnummer RL3-38/198 für den Luftschutz prüfen und zertifizieren lassen. Doch auch für das Hauptprodukt Stahl fand das Werk Vertriebsmöglichkeiten im Rahmen des zivilen Luftschutzes. In einem Werbe-Handbuch des Osnabrücker Werks aus dem Jahr 1939 heißt es dazu:

Deckenelemente zweier Einmannbunker des Typs RL3-43/41 am Zechenbahnhof...
Bildquelle: Haubrock, 2009

Aus den Erfahrungen der ersten Luftangriffe gegen deutsche Ziele konnte und musste die Entwicklung im Schutzraumbau in den Folgejahren stetig weiter voran getrieben werden. Optimierungen in Bauweise und Bauzeit führten hierbei zu einer großen Spanne verschiedener Bunker- und Schutzraumvarianten. Auch die Klöckner-Werke Osnabrück entwickelten ihrerseits eigene Schutzraumtypen. Unter den Kennnummern RL3-43/31 und RL3-43/41 produzierte die Firma ab 1943 zwei sogenannte Eimannbunker aus Stampfbeton. Diese splittersicheren Luftschutzzellen dienten als notdürftige Ersatz-Schutzräume oder splittersichere Brandwachenstände. Zum Einsatz kamen sie daher vermehrt in der Nähe größerer Industriebetriebe und an Bahnanlagen.

Beide Klöckner-Varianten bestanden aus mehreren rundwandigen Fertigbetonelementen (Sockel-, Mittel- und Deckenelemente), welche beim Aufbau durch solide Eisenbolzen miteinander verankert wurden. Die 31er-Serie besaß vier 40cm starke, die 41er-Serie drei 25cm starke Bauteile. Verstärkt wurden die Wände in beiden Fällen durch Spundwandstahl, welcher anschließend von Stampfbeton ummantelt wurde. Die Einstiegsluke konnte nach dem Aufbau an zwei Scharnieren eingehängt werden.

Durch das verhältnismäßig geringe Gewicht von etwa zehn Tonnen, waren diese Kleinstbunker an nahezu jedem Ort in kürzester Zeit zu errichten und auch wieder zu demontieren.

Die 31er-Typen waren für ein bis zwei Personen ausgelegt, die zweite Variante war aufgrund des wesentlich größeren Innenraums (s. Fotos im Anhang)für mindestens zwei bis vier Personen konzipiert. Leider ist das genaue Fassungsvermögen bisher unbekannt.

Auch wenn heute wohl der Großteil dieser "Osnabrücker" Splitterschutzzellen dem Abriss zum Opfer gefallen ist, finden sich doch noch einige erhaltene Exemplare des Typs 31 in der Region. Am Piesberger Zechenbahnhof befinden sich zudem noch Bauteile der 41er-Serie. Ein vollständiger Bunker dieses Typs scheint jedoch nicht mehr zu existieren. Eine Liste der hier bisher verzeichneten Klöckner-Luftschutzzellen findet ihr nachfolgend im Anhang.

Zuletzt aktualisiert am 14. April 2017 von Hauke Haubrock