Veröffentlicht am 18. Januar 2014

Die Stadt Quakenbrück und der "Schwarze Karsamstag" 1944

Alliierter Luftangriff am 8. April 1944 zerstörte große Teile des Fliegerhorstes und der Stadt


Der 8. April 1944 ging in Quakenbrück als "Schwarzer Karsamstag" in die Geschichte ein. An jenem Samstag griffen alliierte Luftstreitkräfte den Fliegerhorst ALG B-109 Quakenbrück mit Tarnnamen "Quadrat" an und richteten schwere Schäden an.

Der Fliegerhorst im nördlichsten Zipfel des Landkreises Osnabrück war bereits zuvor mehrfach von alliierten Flugzeugen heimgesucht worden, doch der Angriff vom April 1944 war der schwerste in der Geschichte des 1935 gegründeten Fliegerhorsts. Besondere Bedeutung erhielt der Flugplatz aufgrund seiner großen Flugzeugwerft, in welcher Flugzeuge der benachbarten Fliegerhorste und Einsatzhäfen repariert und instandgesetzt wurden. Obwohl die Werft ab 1943 nur noch mit einer Rumpfmannschaft besetzt war, weil ein Gros der Werftarbeiter zu Beginn des Jahres nach Pau in Südfrankreich abkommandiert wurde, entging den Alliierten die Bedeutung des Luftwaffenstützpunktes nicht. Immerhin wurden bis 1938 insgesamt 75 Gebäude samt Kasernenkomplex auf dem Gelände errichtet und bis zu 1.200 Soldaten stationiert.

Neben großen Flugzeugen wie der Heinkel HE-111 waren hier zudem zweimotorige Nachtjäger der Gattungen Messerschmidt ME 110, ME 210 und Junkers JU-88 stationiert, die den alliierten Bomberverbänden auf ihrem Einflug nach Deutschland immer wieder Probleme bereiteten.

Am 8. April startete die US-amerikanische Luftwaffe daher eine großangelegte Luftoffensive gegen deutsche Flugplätze in Nordwestdeutschland mit insgesamt 664 Bombern, begleitet von 780 Kampfflugzeugen. 83 B-17 "Flying Fortress" sollten hierbei alleine den Fliegerhorst Quakenbrück angreifen. Es wurde ein voller Erfolg für die amerikanische Luftwaffe, die ihrerseits nur geringe Verluste zu verzeichnen hatte. Bei den zeitgleichen Angriffen auf Quakenbrück, Achmer (60 Bomber), Hesepe (21), Rheine (41), Enschede (22) und Handorf (19) verlor die USAF lediglich vier eigene Maschinen.

Die Schäden am Boden waren jedoch immens. Alleine der Flugplatz in Quakenbrück war nahezu vollständig zerstört worden. Neben diversen Kasernengebäuden und Hangars lagen nach diesem Angriff auch die kriegswichtige Werft, das Offizierskasino, die Kommandantur samt Wohngebäude, eine Turnhalle und insbesondere Rollfeld und Rollbahnen in Trümmern. Noch dramatischer war jedoch der unglückliche Umstand, dass das Luftwaffengelände 1935 direkt neben dem Stadtzentrum Quakenbrück errichtet wurde. Viele Bomben trafen daher auch Wohngebäude ausserhalb des Fliegerhorsts. Insgesamt sollen 180 Wohnungen beschädigt und 17 Häuser vollständig zerstört worden sein. Da in Quakenbrück kaum nennenswerte Luftschutzbunker für die Bevölkerung existierten, war die Zahl der Bombentoten mit 17 Zivilisten und 33 Soldaten verhältnismäßig hoch.

Der 8. April 1944 war für die kleine Stadt Quakenbrück damit einer der dunkelsten Tage der Stadtgeschichte und ist seither als "Schwarzer Karsamstag" in der Region bekannt. Wer noch weitere Informationen zu Quakenbrück und dem ehemaligen Fliegerhorst sucht, dem empfehle ich einen Besuch beim Stadtmuseum Quakenbrück oder einen Blick auf die Seite relikte.com.

Zuletzt aktualisiert am 18. Januar 2014 von Hauke Haubrock