Veröffentlicht am 25. Oktober 2017

Ein Hochbunker am Osnabrücker Güterbahnhof?

USAAF-Luftaufnahme zeigt ungewöhnliche "Plattform" am Ringlokschuppen


Bildausschnitt mit rot markiertem Bombenkrater. Trotz der offenbaren...
Bildquelle: Bildausschnitt, USAAF, 1945

Existierte am Güterbahnhof noch ein weiterer Luftschutzbunker? Luftaufnahmen aus dem Jahr 1945 verleihen dieser Frage jetzt neuen Nachdruck, aber leider keine eindeutige Antwort.

Auf den diesem Artikel beigefügten Bildausschnitten US-amerikanischer Luftaufnahmen ist ein in den Erdboden eingelassenes Bauwerk mit flacher Oberseite - allem Anschein nach eine Plattform aus Beton - zu erkennen, welches irgendwie nicht so recht ins Bild passen will. Es befindet oder befand sich zwischen der südlichen der beiden Drehscheiben des Ringlokschuppens und der Abfertigungshalle im Osnabrücker Güterbahnhof. Die Aussenmaße des Objekts betragen etwa 25x15 Meter.

Zunächst könnte man es für ein Fundament des ehemaligen Ringlokschuppens halten, welcher ja im Krieg in Teilen zerstört wurde. Allerdings verlief der Lokschuppen nicht bis zu dieser Stelle und hätte wohl auch kein so massiven Unterbau an dieser Stelle benötigt. Auch ist wohl auszuschließen, dass dieses Bauwerk in direktem Zusammenhang mit dem Bahnbetrieb stand, da zum Einen keine Gleise auf der Plattform zu erkennen sind und sich mir ein diesbezüglicher Sinn an dieser Stelle auch nicht erschließen will, etwa als mögliche Löschgrube oder als Wartungsgrube. Weiterhin befand sich an dieser Stelle nach aktuellem Kenntnisstand kein Gebäude, dessen Grundmauern hier unter Umständen zu sehen sein könnten. Da ich allerdings kein Fachmann für Eisenbahntechnik bin, nehme ich an dieser Stelle gerne Korrekturen entgegen.

Ausschnitt einer weiteren Luftaufnahme des Güterbahnhofs. Auch hier ist das...
Bildquelle: USAAF, 1945

Ausgehend davon, dass meine Annahmen bis hierhin allerdings korrekt sind, stellt sich die Frage, um was es sich handeln könnte. Vor Ort finden sich hierzu leider keine Hinweise mehr, denn von dem Objekt ist nichts mehr aufzufinden.

Dass es sich bei dieser "Plattform" um ein sehr massiv gebautes Objekt handeln muss, belegt ein Bombentreffer am Rande des Bauwerks, welcher keinerlei ersichtlichen Schaden am Objekt verursacht zu haben scheint, neben dem Bau aber einen großen Krater gerissen hatte (s. Bild 2). Dieses Indiz lässt zumindest den Schluss zu, dass es sich um einen massiven Luftschutzbunker oder das Fundament eines solchen handeln könnte, dessen Bau unter Umständen nach dem genannten Bombentreffer schadensbedingt eingestellt wurde.

Für diese Hypothese spricht unter Anderem der heller erscheinende Bereich des Objekts, welcher den Grundriss der Eingangsschleusen sowie des Innenraums darstellen könnte. Ausserhalb dieser hellen Fläche finden sich zudem weitere Strukturen, die in diesem Fall die unvollendeten Aussenwände des geplanten Bunkers gewesen sein könnten. Die Wandstärke dürfte in diesem Fall bei ca. einem (Splitterschutz im Bereich der Eingänge) bis zwei Metern (Hauptkörper) gelegen haben, ein durchaus gängiges Maß gegen Ende des 2. Weltkriegs. Auch die zwei Rundbunker im östlichen Bereich verfügten über 2m starke Wände. Hierdurch ließe sich auch das Baujahr des mutmaßlichen Bunkers einschränken. Der Bau der Anlage würde folglich zwischen Winter 1943 und 1945 begonnen worden sein. Bis 1942 verfügte die Reichsbahn nämlich nach aktuellem Kenntnisstand über keine bombensicheren Luftschutzbunker in Osnabrück - mit Ausnahme des Hochbunkers am Hauptbahnhof. Da zudem von Oktober/November 1942 bis Dezember 1943 kein Angriff auf den Güterbahnhof erfolgte, muss der erwähnte Bombentreffer aus den Jahren 1943 bis 1945 stammen, was wiederum den Zeitraum der Arbeiten auf diese Jahre einschränken würde.

Luftaufnahme des vermeindlichen Hochbunker-Fundaments im Güterbahnhof mit...
Bildquelle: Haubrock, 2017

Sollten diese Annahmen bis hierhin korrekt sein, so dürfte der vermeintliche Bunker baulich und zeitlich etwa den Hochbunkern bei den benachbarten Klöckner-Werken entsprechen, deren Grundrisse dem hier entdeckten Objekt sehr stark ähneln (siehe Anlagen).

Auch ergibt die Lage des Objekts in diesem Zusammenhang durchaus Sinn, denn es existierte im Umkreis von gut 350 Metern kein weiterer bombensicherer Schutzbau für die Bahnangestellten. Es wäre also durchaus nachvollziehbar, im Güterbahnhof, welcher immer wieder Ziel von Luftangriffen wurde, massive Luftschutzbunker zu errichten, die den Schutzraumbedarf direkt vor Ort decken konnten. Da die beiden bekannten Rundbunker aus dem Jahr 1944 dies alleine nicht leisten konnten (zusammen ca. 80 Plätze) und auch zu weit vom Ringlokschuppen entfernt lagen, wäre ein dritter Bunker mit größerem Fassungsvermögen im westlichen Güterbahnhofsbereich zudem von Nöten gewesen.

Natürlich fehlt aktuell noch ein Beleg zu den hier aufgestellten Vermutungen, denn noch fußt diese Theorie leider nur auf unscharfen Luftaufnahmen und entsprechenden Schlussfolgerungen meinerseits. Man wird sehen was die Zukunft noch ans Tageslicht bringt, sofern am alten Güterbahnhof irgendwann doch noch die Bagger anrücken um dem Areal ein neues Antlitz zu verpassen.

Korrekturen und Ergänzungen sind immer willkommen.

Zuletzt aktualisiert am 25. Oktober 2017 von Hauke Haubrock