Veröffentlicht am 9. Juli 2013

Die Flak in Osnabrück - Teil 2: Aufbau der Flakgruppe Osnabrück

Die Flugabwehr in Osnabrück von 1942 bis Ende 1943


(Fortsetzung) Im Juli 1942 übernahm die Reserve-Flak-Abteilung 644 mit vormals fünf Batterien die Aufgaben im Regierungsbezirk Osnabrück und löste damit die Flak-Abteilung 766 ab. Noch im selben Monat wurde die Reserve-Abteilung 644 in "schwere Flak-Abteilung 644" umbenannt und war fortan mit drei schweren Batterien für den Schutz der Stadt abgestellt. Als Ergänzung wurden im August fünf Batterien der leichten Flak-Abteilung 743 nach Osnabrück verlegt, welche dort auch weitestgehend bis Dezember 1944 verblieben.

Die zwei leichten Batterien 4 und 5 der 644. wurden als erste und zweite Batterie der Abteilung 739 (Köln) im September 1942 an die Krim verlegt. Doch auch die verbliebenen Einheiten der Abteilung 644 verweilten nicht lange in Osnabrück. Bereits im Dezember 1942 verließen sie die Stadt in Richtung Italien.

Die katastrophale Niederlage der 6. Armee bei Stalingrad im Winter 1942/1943 waren für Heer und Luftwaffe verheerend. Dies sollte sich alsbald auch auf die "Heimatfront" auswirken, denn um die immensen Verluste an den Fronten zu kompensieren, wurde seit Februar zunehmend erfahrenes Flak-Personal aus den Flak-Batterien abgezogen und an die Front abkommandiert. Ihre Aufgaben sollten sogenannte Luftwaffen- oder Flakhelfer übernehmen. Dies waren zunächst zwangsrekrutierte Oberschüler der Jahrgänge 1926 und 1927, später auch Schüler kaufmännischer Berufe bis zum Jahrgang 1928. Auch in Osnabrück bedienten nun bis Kriegsende viele Schüler die Ortungsgeräte und Geschütze in den Flak-Batterien. Unterstützt wurden sie von oftmals älteren, nicht mehr fronttauglichen Soldaten, die den Jugendlichen den Umgang mit den teils hochtechnisierten Geräten zunächt beibringen mussten. Die Jugendlichen waren zwar offiziell der Hitlerjugend unterstellt und besaßen nicht den Rang eines Luftwaffenangehörigen, doch waren sie fortan ein fester Bestandteil vieler Flak-Regimenter.

Im November 1943 wurde das in Osnabrück ansässige Regiment 126 nach Berlin abkommandiert und als "Flakgruppe Berlin-West" eingesetzt. Ob die Flakhelfer ebenfalls nach Berlin gingen, bleibt zu bezweifeln, da sie laut Erlass vom 7. Januar 1943 offiziell in Heimatnähe verbleiben sollten.

Als Ersatz für das 126. wurden drei neue Flakgruppen formiert: Die bereits vorher bestehende Flakgruppe Weser-Ems mit verkleinertem Zuständigkeitsgebiet und Sitz in Rheine, die Flakgruppe Moorland mit Sitz in Bohmte sowie die Flakgruppe Osnabrück mit Leitstelle auf dem Schinkelberg.

Die Gruppen unterstanden zunächst der 8. Flak-Brigade, welche bereits im Juni 1942 aus dem Stab der Flak-Brigade VIII hervorging. Die Flakgruppe Osnabrück bestand ihrerseits aus Abteilungen des Stab/Flak-Regiments 9 und setzten sich im November 1943 wie folgt zusammen:

• schwere Flak-Abteilung 210 mit ? Batterien

• schwere Flak-Abteilung 273 mit sechs Batterien (weitestgehend russische (tschechische?) 7.62cm-Beutegeschütze)

• leichte Flak-Abteilung 743 mit vier Batterien (die 5. Batterie wurde im Dezember 1942 der leichten Flak-Abteilung 749 unterstellt)

• leichte Flak-Batterie 6927 ("zur besonderen Verwendung")

• motorisierter Auswertungs-Zug 9

Zu dieser Zeit kamen zudem weitere Flak-Stellungen in Osnabrück hinzu. Insgesamt gab es damit mindestens 10 schwere Flak-Stellungen im Stadtgebiet (inkl. näheres Umland):

• Schinkelberg (Flakleitststand Osnabrück, Flakstellung "Wellmann")

• Kalkhügel (2x?)

• Westerberg

• Sonnenhügel

• Gretesch (Flak-Stellung "Sundermann")

• Heger Holz

• Eversburg

• Gartlage

• Harderberg

• Malbergen

• Westruper Esch, Hasbergen

• Jeggen, Bissendorf (Flakgruppe Moorland?)

Ergänzungen/Korrekturen bitte an hauke@untergrundosnabrueck.de

Fortsetzung im 3. Teil der Serie

Zuletzt aktualisiert am 9. Juli 2013 von Hauke Haubrock