Veröffentlicht am 26. Oktober 2012

Baugleiche Bunkeranlagen in Osnabrück - Teil 2: Rundbunker

Regelbauten der Reichsbahn im Raum Osnabrück


Der unvollendete Rundbunker an der Bremer Brücke
Bildquelle: Haubrock, 2006

Die Stadt Osnabrück war aufgrund des Eisenbahnkreuzes, des Güterbahnhofs und der Bahnbetriebswerke an der Ost- und der Bremer Straße zu Kriegszeiten ein wichtiger Faktor für den Transport kriegswichtiger Güter zwischen Küste und Ruhrgebiet sowie Mitteldeutschland und den besetzten Gebieten im westlichen Europa. So ist es nicht verwunderlich, dass viele gegen Osnabrück gerichtete Luftangriffe der ersten Jahre gezielt auf die Anlagen der Reichsbahn oder daran angeschlossene Betriebe niedergingen.

Gegenüber den bereits im Jahr 1936 forcierten Luftschutz-Bemühungen für die Zivilbeölkerung seitens der Stadt, war für die Reichsbahn-Beschäftigten lange Zeit kein ausreichender Schutzraum vorhanden, so dass sie auf öffentliche Luftschutzanlagen zurückgreifen mussten, die oftmals weit entfernt von ihrem Arbeitsplatz lagen. Dies änderte sich partiell erst durch den Bau des Hochbunkers am Osnabrücker Hauptbahnhof im Jahr 1941, an dem sich die Reichsbahn mit der Hälfte der Baukosten finanziell beteiligte.

Doch auch durch den Bau dieses Betonriesen war der Mangel an bombensicherem Schutzraum für die Reichsbahn-Beschäftigten nicht beseitigt, Güterbahnhof und Bahnbetriebswerke standen weiterhin ohne Bunker dar. Erst 1943 entspannte sich die Situation etwas, als man am Bahnbetriebswerk "Kamerun" an der Bremer Straße mit dem Bau des öffentlichen Luftschutzstollens Hunteburger Weg begann, welcher auch einen direkten Zugang vom Betriebsgelände her erhielt. Hier sollten nach Fertigstellung auf 500 Stollenmetern 2.000 Personen Platz finden können.

An- und Grundriss-Skizze eines Reichsbahn-Rundbunkers
Bildquelle: © Haubrock, 2012

Am Werk Oststraße und am Güterbahnhof, wo bis dahin nur trümmer- und splittersichere Luftschutzkeller vorhanden waren, fehlte es allerdings weiterhin an bombensicherem Schutzraum und die kostengünstigen Stollen waren hier aufgrund des sumpfingen Untergrunds nicht realisierbar.

Erst im Jahr 1944, noch nach dem ersten Spatenstich für den Bau des ersten Spitzbunkers begannen hier die Arbeiten an mehreren bombensicheren Bunkern, den im Folgenden beschriebenen "Rundbunkern".

Diese Bunker, von denen in Osnabrück insgesamt fünf Exemplare errichtet wurden, besaßen ähnlich den geplanten und teilweise realisierten Spitzbunkern rundwandige Aussenwände und ein solides Fundament aus Stahlbeton.

Allerdings sind die Reichsbahnbunker mit einem Aussendurchmesser von neun Metern (ohne Splitterschutz) etwas kleiner und konnten mit regulär 40 Schutzplätzen auf einer Ebene nur sehr wenige Menschen aufnehmen.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal gegenüber den städtischen Rundbunkern war die massive Bauweise der Splitterschutzvorbauten, welche die dahinterliegenden Schleusentüren des Schutzraums vor direkter Spreng- und Druckwirkung schützen sollten.

Die Eingangsbereiche wurden bei den Reichsbahnbunkern besser integriert, d.h. mit einer halbrunden 1,6 Meter starken und ca. 4,00 Meter langen rundwandigen Aussenwand versehen, die im Anschluss, zusammen mit dem eigentlichen Bunkerkörper, von einer zwei Meter starken Stahlbetondecke vollständig abgedeckelt wurde. Durch die halbrunde Form der Splitterschutzwand war zudem sichergestellt, dass Druckwellen und Splitter die Schleusentüren nicht direkt treffen konnten. Auch waren die Aussenwände des eigentlichen Schutzraums mit zwei Metern Breite 90cm stärker als die der städtischen Rundlinge.

Schriftzug "Gasmasken mitbringen" im Rundbunker "Otto Bunker"
Bildquelle: O´Brien, 2009

Zugang zum Schutzraum erlangte man durch eine eiserne Flügeltür, die sich hinter dem jeweiligen Splitterschutz anschloss, welcher als Gasschleuse diente. Zwar sind bei den Bunkern an den äußeren vier Eingängen Aussparungen für Schutztüren vorhanden, doch offensichtlich wurden diese bei keiner Anlage in Osnabrück verbaut. Ob die Gasschleusen jemals als solche funktionierten, ist unklar.

Der eigentliche Schutzraum besitzt einen Durchmesser von fünf Metern und wird in der Mitte durch eine 1x1 Meter starke, rechteckige Säule verstärkt. An den Seitenwänden sowie entlang der Säule standen Holzbänke für die Schutzsuchenden, an den Wänden und der Decke finden sich zudem Halterungen für elektrische Lichtanlagen. Eine eigenständige Belüftung war hier offensichtlich nicht eingeplant. In keinem der bekannten Bunker finden sich entsprechende Einbauten oder Halterungen. Auch findet sich beispielsweise im "Otto Bunker" am Bahnbetriebswerk Oststraße der Hinweis "Gasmaske mitbringen", was darauf schließen lässt, dass in diesen Anlagen kein Überdruck gegen eindringende Gase gefahren werden konnte. Auch waren in den Bunkern keine fest eingebauten Aborte vorhanden. Auf jegliche Mindeststandards, die bei öffentlichen Bunkerbauprojekten zu berücksichtigen waren, wurde bei diesen Anlagen also verzichtet.

Schriftzug "Kohlenbunker" am gleichnamigen Rundbunker im Osnabrücker...
Bildquelle: Haubrock, 2008

Den vier fertiggestellten Rundbunkern gab die Reichsbahn eigene Namen, eine äußerst ungewöhnliche Maßnahme, zumal sich diese Namensbezeichnungen an den Außenwänden der Bunker wiederfinden, also direkt beim Gießen der Abschlussdecke eingestanzt bzw. ausgespart wurden. Diese Bunkerbezeichnungen lassen sich teilweise auf lokale Gegebenheiten zurückführen. So erhielt der "Schellenberg Bunker" seine Bezeichnung aufgrund der benachbarten Schellenberg-Brücke, der "Kohlenbunker" im Güterbahnhof von dem damals angrenzenden Kohlenlager. Der "Otto Bunker" hingegen bekam den Namen des ehemaligen Direktors des Betriebswerks Oststraße Arthur Otto. Ähnlich verhielt es sich beim "Strohm Bunker". Sein Namensgeber war der Reichsbahnoberinspektor Strohm, zuständig für die Reichsbahndienststelle 3 (Osnabrück, Güterbahnhof).

Am fünften Rundbunker, dem unvollendeten Bunker an der Bremer Brücke, fehlt die Bezeichnung, da die Abschlussdecke an diesem Bunker nicht mehr aufgesetzt wurde.

Weitere Rundbunker in anderen StädtenNeben Osnabrück gab es einige weitere Städte in Norddeutschland, in denen diese Rundbunker errichtet wurden. So gibt es unter Anderem fünf baugleiche Exemplare in Rheine und drei weitere in Münster (Westf.). In Oldenburg und Kirchweyhe finden sich auch mindestens drei Rundbunker dieses Typs. Auch in Salzgitter existieren noch heute mehrere Varianten dieses Bunkertyps.

Heutiger Zustand der Osnabrücker BunkerNoch heute existieren alle fünf Rundbunker, die in Osnabrück errichtet wurden, wobei die Bunkeranlage an der Bremer Brücke nicht fertiggestellt wurde. Hier lässt sich aber die Bauweise der Anlagen gut erkennen. Der Bunker befindet sich direkt an der Bremer Brücke zwischen Bahndamm und dem angrenzenden Einkaufszentrum.

Im Anhang findet ihr Verweise zu den genannten Anlagen sowie relevanten Bildarchiven.

Zuletzt aktualisiert am 26. Oktober 2012 von Hauke Haubrock