Veröffentlicht am 28. Juli 2012

Baugleiche Bunkeranlagen in Osnabrück - Teil 1: Spitzbunker

Das letzte Osnabrücker Bunkerbauprogramm von 1944


Der \"Germania-Bunker\" als Fahrradstand in der Nachkriegszeit
Bildquelle: Fotograf unbekannt, 1954

Im Jahr 1944 begann die letzte groß angelegte Planung im Rahmen des Luftschutzbaus in der Hasestadt. Überall dort, wo die geologischen Gegebenheiten den Bau der ab Sommer 1943 begonnenen Luftschutzstollen verhinderten oder erschwerten, sollten ab 1944 zusätzlich massive oberirdische Luftschutzbunker aus solidem Stahlbeton für die Bevölkerung entstehen. Hiervon waren insbesondere die Stadtteile Altstadt, Neustadt, Wüste, Fledder, Eversburg und Hafen betroffen.

Gegenüber den bereits bestehenden blockförmigen Hochbunkern unterschieden sich die neu zu errichtenden "Klein-Hochbunker", wie sie offiziell genannt wurden, in einigen Punkten gravierend von ihren Vorgängern.

Man hatte bei der Planung der Bunker die Erfahrungen vorhergegangener Katastrophen berücksichtigt und entsprechende Änderungen in der Bauweise vorgenommen. Ein wichtiger Bestandteil war hierbei, dass die Bunker nun einen kreisrunden Grundriss erhalten sollten, welcher den 1,10 Meter starken rundwandigen Aussenwänden mehr Widerstandskraft gegen Druckwellen und Sprengwirkungen geben sollte. Eine Kegeldecke mit einer Stärke von 1,40 bis 3,20 Metern an der Spitze sollte zudem verhindern, dass Sprengbomben direkt auf dem Bunker detonierten. Vielmehr erhoffte man sich durch diese in Osnabrück neuartige Form, dass auftreffende Bomben durch die Schräge abgeleitet und so erst neben dem Bunker explodieren würden. Ob diese Theorie sich in der Praxis bewährt hätte, wurde bis Kriegsende nicht mehr auf die Probe gestellt. Den einzigen fertiggestellten Spitzbunkern dieser Baureihe, am Hoffmeyerplatz sowie im Garten des Hotels Germania blieb ein solches Szenario erspart.

Der Germania-Bunker kurz vor seinem Abriss
Bildquelle: Fotograf unbekannt, 1955

Doch wieso wurden nur zwei Anlagen dieses Typs fertiggestellt, waren doch mindestens 12 Anlagen geplant? Nun, neben den beiden fertiggestellten Bunkern gab es drei weitere Spitzbunker, an denen bereits die Fundamente gelegt, doch der Bau aus verschiedenen Gründen nicht fortgesetzt wurde. So war am Spitzbunker an der Kiebitzheide bereits das Fundament gegossen, als man aufgrund von Materialengpässen die Fortsetzung der Arbeiten einstellte.

Im Garten des Hotels Dütting an der Herrenteichstraße (Wilhelmstift) sollte ein weiterer Spitzbunker entstehen. Dort war man bereits dabei das Erdgeschoss zu fertigen, als eine Fliegerbombe diese Bemühungen zunichte machte. Die Arbeiten wurden daraufhin auch dort eingestellt.

In der Wüste war man ebenfalls im Gange einen Spitzbunker am Schnatgang zu errichten. Doch auch hier folgte alsbald ein Baustopp.

Bei den übrigen Anlagen waren erst gar keine Arbeiter mehr angerückt, da die Stadtteile zum Teil bereits völlig ausgebombt und verwaist waren oder einfach das Material fehlte. Schließlich benötigte man für diese relativ kleinen zwei- bis dreigeschossigen Bunker immerhin noch zwischen 270 und 320 Tonnen Zement sowie 18 bis 23 Tonnen Eisen bei einem Fassungsvermögen von nur 140 bis 220 Personen.

Abrissarbeiten am Germania-Bunker
Bildquelle: unbekannt, 1955

Warum man überhaupt mit der Planung dieser Bunker begonnen hat, ist uns bisher noch unklar. Man hatte ja schon 1940 beim Bau des Tiefbunkers am Rosenplatz (Kapazität: 300 Pers.) erkannt, dass der Material- und Arbeitsaufwand beim Bau kleiner bombensicherer Stahlbetonbunker in einem unbefriedigenden Verhältnis zur erreichbaren Aufnahmekapazität stand - je größer ein Bunker, desto besser das Verhältnis von Aufwand und Kapazität.

Trotz aller Widrigkeiten waren noch vor Kriegsende zwei Spitzbunker fertig geworden, von denen der dreigeschossige Rundling am Hoffmeyerplatz noch bis heute überdauert hat. Seine beängstigende Schräglage verdankt der Bunker im Übrigen Sprengversuchen britischer Spezialkräfte, die den Bunker im Jahr 1948 unbrauchbar gemacht hatten. Der Versuch, den gesamten Bunker auf die Seite zu legen, mißlang allerdings. Heute ist das Objekt in städtischer Hand und entging im Jahr 2009 nur knapp dem endgültigen Abriss. Die enormen Kosten in Höhe von 60.000 Euro (lt. Neue OZ) waren der Stadt offenbar zu hoch. Wir für unseren Teil sind froh, dass dieses Relikt weiter bestehen darf, denn auch dies ist ein wichtiges Stück Osnabrücker Geschichte und sollte auch als solches behandelt werden.

Im Anhang findet ihr weiterführende Informationen gelistet.

Zuletzt aktualisiert am 28. Juli 2012 von Hauke Haubrock