Veröffentlicht am 27. April 2016

Augenzeuge der Bunker-Katastrophe am Brunnenweg gesucht!

Tochter des Überlebenden Alfred Rose sucht seinen damaligen Schicksalsgenossen


Der zerstörte Deckungsgraben am Brunnenweg (heute Carl-Legien-Straße) in...
Bildquelle: Fotograf unbekannt, Mai 1944

Mit einer bewegenden Geschichte wandte sich vor einigen Tagen die Tochter eines Überlebenden der Bunkerkatastrophe am Brunnenweg an uns, mit der Bitte sie bei der Suche nach einem weiteren Überlebenden zu unterstützen. Immer wieder berichtete Ihr Vater Alfred Rose zu Lebzeiten von den Ereignissen an diesem Tag, den er nur durch ungeheures Glück überlebte.

Als am Nachmittag des 13. Mai 1944 in einem Deckungsgraben am damaligen Brunnenweg - heute Carl-Legien-Straße - 101 Menschen durch den Volltreffer einer Fliegerbombe ums Leben kamen, befanden sich Alfred Rose gemeinsam mit einem kleinen Jungen an einer der Gasschleusen des Schutzbaus. Eine glückliche Fügung, denn der verwinkelte Eingangsbereich ausserhalb des Deckungsgrabens rettete ihnen das Leben.

Dabei wäre auch Alfred Rose, dessen erste Frau und sein Vater Herrmann Rose bei diesem Luftangriff starben, eigentlich auch nicht mehr am Leben - wäre da nicht der Herd in Ihrer Wohnung gewesen. Durch die übereilte Flucht in den Schutzbau hatte die Familie vergessen das Essen vom Herd zu nehmen, so dass Alfred während des bereits einsetzenden Luftangriffs zurückeilte, um kurz nach dem Rechten zu sehen und Schlimmeres zu verhindern. Als er unter Lebensgefahr zurück zum Deckungsgraben rannte, traf er auf den Stufen zum Eingang überraschend auf einen kleinen Jungen, mit dem er gemeinsam zurück in das vermeindlich schützende Innere eilte.

Trümmer des massiven Deckungsgrabens am Brunnenweg nach dem verheerenden...
Bildquelle: Karl Brüggemann, 1944

Noch wärend sie die Schleuse betraten, durchschlug eine Sprengbombe das Grabensystem, detonierte im Inneren und zerstörte es nahezu vollständig. Alfred Rose und das Kind wurden hierbei von Trümmern eingeschlossen, blieben jedoch weitestgehend unverletzt. Um nicht durch die Staub- und Gaswolken zu ersticken, spuckte Alfred Rose geistesgegenwärtig in sein Taschentuch und hielt es abwechselnd dem Jungen und ihm vor das Gesicht, bis schließlich die Rettungskräfte eintrafen und die beiden Überlebenden aus ihrer lebensgefährlichen Lage befreiten.

Dass sie es nicht mehr schafften, die Eingangstür zum Bunkersystem zu öffnen, erwies sich im Nachhinein als lebensrettend. Die Druckwelle hatte nahezu alles Leben hinter der Tür ausgelöscht, unter den Toten waren auch sein Vater und seine Frau. Sie wurden durch die massiven Betonplatten zerdrückt und konnten nur noch anhand eines Taschentuchs und Kleidungsfetzen identifiert werden. Ein schwerer Schlag für den damaligen Soldaten, der auf einen Schlag zwei Familienangehörige verlor, selbst aber durch Glück am Leben blieb.

Die Wege von Alfred Rose und dem kleinen Jungen trennten sich nach diesem Ereignis, so dass er den Namen des Jungen nicht mehr in Erfahrung bringen konnte. Doch noch bis zu seinem Tod im Jahr 2000 erzählte er immer wieder von dem grausamen Erlebnis, das auch seine Tochter nicht unberührt ließ und noch bis in die Gegenwart beschäftigt.

Heute, 71 Jahre nach dieser Katastrophe, sucht die Familie von Alfred Rose nach weiteren Informationen über den kleinen Jungen bzw. den Jungen selbst. Bisher leider ohne Erfolg.

Sofern Ihr die Familie Paschek-Rose bei Ihrer Suche unterstützen wollt, teilt diesen Beitrag bitte über Facebook & Co. Hinweise zum Verbleib des Jungen geben wir umgehend weiter.

Zuletzt aktualisiert am 27. April 2016 von Hauke Haubrock