Objektinformationen

Gedenktafel für die Opfer des Luftangriffs vom 21. November 1944, die im...
Bildquelle: Haubrock, 2012

Die kurze, traurige Geschichte dieses Stollenbunkers am ehemaligen Kinderheim Iburger Straße 54a nahm ihren Anfang im Sommer 1943. Am Fuße des Schölerbergs begannen zu dieser Zeit Arbeiten für eine bombensichere Bunkeranlage für Anwohner, Schüler der Volksschule Nahne (Ecke Iburger Straße und Am Riedenbach, Nahne / heute Ansgarstraße) und Kinder des angrenzenden evangelischen Kinderheims. Bei der Planung der Anlage wurde daher besonderes Augenmerk auf die Unterbringung von Kleinkindern gelegt, an Stelle der üblichen Holzpritschen wurden vorwiegend Stockbetten aufgestellt, die den Aufenthalt für die Kinder erträglicher gestalten sollten.

Das als relativ bombensicher geltende Stollensystem lag unter bis zu acht Metern Felsgestein des Schölerbergs und war mit zwei Treppenzugängen angelegt worden. Der nordwestliche Eingang war vom Heizungskeller des Kinderheims her erreichbar, der zweite befand sich einige Meter südöstlich des Gebäudes auf einer Freifläche im Hang. Beim Bau versäumte man jedoch diese Eingänge soweit zu verstärken, dass sie auch direkten Bombentreffern standhalten konnten. Ein Versäumnis, das im folgenden Kriegsverlauf 96 Menschen das Leben kosten sollte.

Als am Mittag des 21. Novembers 1944 die Stadt Osnabrück zum 45. Mal Ziel eines alliierten Luftangriffs wurde, war der Stollenbunker mit 97 Schutzsuchenden belegt, unter ihnen auch 17 Heimkinder und 34 Schüler, die sich mit ihren Lehrkräften gemeinsam auf den weiten Weg zum Bunker gemacht hatten, obwohl zu dieser Zeit bereits ein Stollensystem am näher gelegenen Paradiesweg existierte. Hauptziele der Bombenverbände waren an diesem Tag vor Allem Bahn- und Industrieanlagen im Fledder, welche mit mehreren Bombenteppichen belegt wurden. Doch einige Maschinen verfehlten ihr vorgegebenes Ziel und warfen ihre todbringende Last über dem benachbarten Schölerberg ab. Tragischerweise traf eine der verirrten Sprengbomben oberhalb des südwestlichen Stolleneingangs auf und durchschlug die viel zu schwache Panzerung im Eingangsbereich. Die folgende Detonation wäre unter Umständen gar nicht so tragisch gewesen, wenn nicht das äußere Bunkerschott am Eingang verschlossen gewesen wäre. So allerdings presste die Detonation die hochgiftigen Sprenggase in die Stollenanlage hinein.

Liste der Opfer des Stollenunglücks am Schölerberg, ausgehängt an der...
Bildquelle: Haubrock, 2012

Der Leiter des Kinderheims (Reinecke?) war zu diesem Zeitpunkt in Begleitung von zwei Frauen noch einmal zurück ins Gebäude gelaufen und erlebte den Einschlag ausserhalb des Bunkers. Sofort nach der Detonation liefen die drei besorgt zurück in Richtung Stollen, doch die kaum wahrnehmbaren Gase verbereiteten sich bereits im zweiten Treppenhaus. Der Gefahr nicht bewusst, eilten die Frauen hinab um zu helfen und verloren noch im Treppenhaus das Bewußtsein. Dadurch gewarnt konnte sich der ihnen folgende Heimleiter gerade noch in Sicherheit bringen. Den beiden Frauen konnte er nicht mehr helfen. Er überlebte als einziger eines der tragischsten Kriegsereignisse in Osnabrück.

Den kurze Zeit später eintreffenden Rettungskräften bot sich ein Bild des Grauens, als sie den Schutzstollen erreichten. 94 Männer, Frauen und Kinder saßen auf den Bänken oder lagen in ihren Bettchen, äußerlich völlig unversehrt. Doch niemand von ihnen war mehr am Leben, sie waren alle erstickt. Insgesamt zählte man 96 Tote, unter ihnen 51 Kinder zwischen einem und 17 Jahren. Auch der bekannte Maler Franz Hecker kam hier ums Leben.

Nach diesem Drama, das ganz Osnabrück schockierte, wurden zum ersten Mal öffentlich Stimmen laut, welche die geringe Standfestigkeit der Stolleneingänge kritisierten und behaupteten, dass diese Tatsache lange bekannt gewesen sei, die Stadt aber nichts unternommen hätte um die Bunkereingänge besser zu sichern.

Die Stollenanlage wurde nach dieser Tragödie gesperrt und nach dem Krieg verfüllt. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel, gestiftet vom Förderverein Brüningsquelle, vor Ort an das Drama, welches sich hier einst abspielte. Von dem Bunker selbst ist nichts mehr zu sehen.

Zusammenfassung

Bauherr
Stadt Osnabrück
Baubeginn
1943
Inbetriebnahme
1943

zur Übersichtskarte Standort

  • Nächstgelegene Straße: Iburger Straße, 49082 Osnabrück
  • Kartendaten: © Esri / ArcGIS | arcgis.com