Objektinformationen

Beton am Standort des ehemaligen Eingangsbereichs an der Artilleriestraße auf...
Bildquelle: Haubrock, 2011

Der sogenannte "Barbara-Stollen" an der Artilleriestraße in Osnabrück war ein Stollenbunker der Wehrmacht aus dem 2. Weltkrieg, mit dessen Bau im Sommer 1943 begonnen wurde. Die unterirdische Bunkeranlage sollte in erster Linie dem Schutz der Soldaten der umliegenden Kasernen (Vom-Stein-, Metzer- und Scharnhorst-Kaserne) dienen und zunächst auf einer Länge von 200 Metern Schutzstollen (ca. 3.600m², zzgl. Zugangsstollen und technischer Räume) ausgebaut werden. Das ursprünglich geplante Fassungsvermögen betrug somit zunächst 800 Personen. Arbeitskräfte und Material wurden von der Wehrmacht gestellt, die Stadt beteiligte sich ihrerseits durch die Bereitstellung weiteren Baumaterials und Maschinen. Im Gegenzug wurde seitens der Wehrmacht zugesichert, dass auch die umliegende zivile Anwohnerschaft im Alarmfall einen Platz im Bunker bekam.

Um den Soldaten möglichst kurze Zuwege zum Bunker zu ermöglichen, plante die Wehrmacht in der ersten Bauphase zunächst zwei Zugänge ein. Der erste Zugang sollte auf städtischem Grund an der Artilleriestraße, direkt gegenüber des Hauptgebäudes der Vom Stein-Kaserne, der zweite Zugang direkt vom Gelände der Metzer-Kaserne an der Sedanstraße in den Bunker führen. Eine Böschung hinter den ehemaligen Stallungen am Südrand des Kasernengeländes unterhalb der Menkestraße bot hierfür optimale Voraussetzungen, da die natürliche Gesteinsüberdeckung von etwa sechs Metern bereits einen gewissen Schutz vor indirekten Treffern sowie einen ebenerdigen und damit schnelleren Vortrieb des Stollens ermöglichte.

Oberhalb des nördlichen Bunkereingangs mit Blick auf die Sedanstraße. Rechts...
Bildquelle: Haubrock, 2011

Durch die Differenz von circa 10 Höhenmetern zwischen den Sohlen der Eingänge Artilleriestraße und Menkestraße konnte zudem eine optimale Bewetterung der Anlage erreicht werden, so dass auf eine künstliche Belüftung der Stollen zunächst weitestgehend verzichtet werden konnte.

Um das so entstehende Gefälle in den Stollen zu reduzieren sowie den Eingangsbereich an der Artilleriestraße besser vor Bombentreffern schützen zu können, sollte dieser Eingang in einen fünf Meter tiefen Schacht abgesenkt werden, welcher im Anschluss durch zwei seitliche Treppenläufe ergänzt und mit Stahlbeton ummantelt werden sollte. Von diesem Eingang aus sollte in Anschluss ein mit nur 1.80 Metern Breite und 2,10 Metern Höhe verhältnismäßig enger Gang in nordwestliche Richtung bis unter das Grundstück Zelterstraße 17 getrieben werden, wo der Minengang auf den von Norden kommenden Zweigstollen treffen sollte. Das Gefälle konnte durch die Ausschachtung auf diesen ersten 150 Stollenmetern auf akzeptable zwei Meter reduziert werden.

Standort des nördlichen Stolleneingangs auf dem Gelände der ehemaligen...
Bildquelle: Haubrock, 2011

Wie eingangs erwähnt wurde der Zugang an der Metzer-Kaserne weniger aufwendig geplant. Anstelle eines Treppenschachts verlief der Stollen hier ebenerdig in den Berg, was zwar Vorteile in Hinblick auf den Transport des Baumaterials und Abraums während der Bauphase brachte, allerdings auch ernsthafte Gefahren für die Schutzsuchenden barg. Basierend auf den bisher vorliegenden Bauplänen existierten nämlich weder im Eingangsbereich an der Artilleriestraße noch im Bereich des Zugangs an der Metzer-Kaserne zusätzliche Schleusen, welche zum Schutz vor Splitterflug und Gaseintritt in diversen anderen Osnabrücker Stollenbunkern angelegt wurden. Ob im Bereich der Metzer-Kaserne unter Umständen im Nachhinein ein solcher Ausbau angedacht war, lässt sich den Bauplänen leider nicht entnehmen.

Abgesehen diesen Sicherheitsrisiken konnte man das Bunkersystem "Barbara-Stollen" allerdings als absolut bombensicher bezeichnen, war der Hauptkörper der Stollenanlage doch unter 12 bis 18 Metern Felsgestein vor regulären Sprengbomben ausreichend geschützt.

Neben den bereits genannten beiden Stollengängen plante man, wie es für Anlagen dieser Größe üblich war, auch zusätzliche Räumlichkeiten für Aborte, Luftschutzwarte und Sanitäter ein. Auch eine Befehlststelle der Wehrmacht sowie eine Telefonvermittlungszentrale sollten im Bunker bombensicher untergebracht werden.

Wird fortgesetzt...

Zusammenfassung

Bauherr
Wehrmacht
Baubeginn
1943
Inbetriebnahme
1944(?)
Erweiterung / Ausbau
1944
Aufnahmekapazität (offiz. Planzahl)
1.400 Personen
  • Kapazität bei regulärer Belegung
Aufnahmekapazität (errechnet)
800 Personen
  • Schätzwert für reguläre Schutzraumbelegung bei 0,6m² pro Person
Gesamtlänge (offiz. Planzahl)
350 Meter
  • Diese Zahl beinhaltet in der Regel nur die als Schutzraum genutzten Stollen. Technische Einrichtungen, Sanitär- und Sanitätsräume sind in diesen Zahlen nicht eingerechnet
Gesamtlänge (offiz. erreicht)
200 Meter
  • Bis Kriegsende erreichte Stollenlänge, basierend auf bisher ermittelten Werten. Die Angaben können unter Umständen technische Einrichtungen, Sanitär- und Sanitätsräume mit beinhalten
Stollenbreite (offiz. Angaben)
1,80 Meter
Anmerkungen zum Zustand
verfüllt

zur Übersichtskarte Standort

  • Nächstgelegene Straße: Artilleriestraße, 49076 Osnabrück
  • Kartendaten: © Esri / ArcGIS | arcgis.com