5. SS-Eisenbahnbaubrigade wird aufgestellt

Nachdem bereits im April 1944 die 2. SS-Baubrigade aufgrund dringlicherer Aufgaben aus Osnabrück abgezogen wurde, stand die Stadt im September 1944 ohne ausreichende Arbeitskräfte für die Trümmerbeseitigung dar. Schnell entstanden hierdurch große strukturelle Probleme. Die schweren Luftangriffe, welche Osnabrück seit Mai 1944 über sich ergehen lassen musste, hatten eine Spur der Verwüstung hinterlassen, die ohne den massenhaften Einsatz von Arbeitskräften mittelfristig nicht beseitigt werden konnte. Die infrastrukturellen Schäden waren zum Teil so schwer, dass sie von dem zur Verfügung stehenden Personal nicht in einem befriedigenden Zeitrahmen beseitigt werden konnten. Insbesondere die Reichsbahn kam mit den Instandsetzungsmaßnahmen der Gleise kaum mehr nach, galt ihnen doch die größte Aufmerksamkeit seitens der alliierten Bomberverbände.

Im Herbst 1944 beantragten Stadt Osnabrück und Deutsche Reichsbahn daher neue Arbeitskräfte um die anstehenden Aufgaben bewältigen zu können. Die SS verlegte daraufhin 500 (504?) Häftlinge aus dem KZ Mittelbau Dora (darunter 180 Häftlinge aus Buchenwald) als sogenanntes "Konzentrationslager auf Schienen" vom Harz über Heringen nach Osnabrück, wo sie als neu gegründete 5. SS-Eisenbahnbaubrigade neben Trümmerbeseitigung, Freilegung von Blindgängern und Instandsetzungsarbeiten im Auftrag der Stadt Osnabrück auch für den Bau einer Umgehungstrasse durch die Gartlage herangezogen wurden. Die Bahnline sollte nach Fertigstellung die Stadtteile Schinkel und Eversburg einspurig verbinden und damit das schwer beschädigte Eisenbahnkreuz am Hauptbahnhof entlasten.

Wieviele dieser Menschen den unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen in Osnabrück zum Opfer fielen, ist bis heute unbekannt.

Mit dem Beginn der Kampfhandlungen im Raum Osnabrück wurde die Brigade schließlich per Bahn nach Bremen evakuiert und später auf das Schiff "Apollo" verladen, auf welchem sie am 5.5.1945 aus ihrem Martyrium befreit wurden.

Das "Lager" selbst wurde sehr wahrscheinlich mehrfach verlegt. Zeitzeugen, mit denen wir sprachen, berichteten unter Anderem von einem Güterzug mit Häftlingen auf dem Ragierbahnhof in Hörne, andere wiederum sprachen von einem Zug in der Nähe des Betriebswerks "Kamerun".


Weitere Ereignisse im Oktober 1944

  1. Freitag, 6. Oktober 1944

  2. Samstag, 7. Oktober 1944

  3. Luftaufnahme des südlichen Stadtgebiets, aufgenommen während eines Luftangriffs am 12.10.1944.
    Luftaufnahme des südlichen Stadtgebiets, aufgenommen während eines Luftangriffs am 12.10.1944.
    Bildquelle: USAAF, Smlg. Haubrock, 12.10.1944

    Donnerstag, 12. Oktober 1944, 11:33 Uhr

  4. Montag, 30. Oktober 1944

  5. Montag, 30. Oktober 1944, 15:25 Uhr