Objektinformationen

Der Ostbunker im Stadtteil Schinkel. Blick auf die westliche Fassade mit...
Bildquelle: Haubrock, 2014

Der "Ostbunker" ist wohl der bekannteste Osnabrücker Luftschutzbunker, nicht zuletzt aufgrund seiner heutigen Nutzung als Veranstaltungsort und gut frequentiertes Jugendzentrum im Herzen des Schinkels.

Die Geschichte der Bunkeranlage führt zurück in die Anfänge des 2. Weltkriegs, als im Deutschen Reich mit dem Erlass des sogenannten LS-Sofortprogramms aus dem Jahr 1940 in allen luftgefährdeten Orten ersten Grades mit der Errichtung bombensicherer Luftschutzbauten begonnen wurde. Nachdem man bereits im Winter 1940 mit dem Bau des benachbarten Hochbunkers am Stahlwerksplatz begann, erfolgte kurze Zeit später auch auf einer Freifläche zwischen Schinkel- und Oststraße der erste Spatenstich für einen weiteren Bunker, den Ostbunker. In zweijähriger Bauzeit entstand hier ab Januar 1941 auf einer Grundfläche von 15,00 x 13,65 Metern ein sechsstöckiger Betonturm, welcher die umliegende Wohnbebauung weit überragte und noch heute das höchste Gebäude in der näheren Umgebung darstellt. Nach seiner Fertigstellung im Frühjahr 1943 verfügte die Anlage offiziell über 775 Schutzplätze, welche jedoch oftmals mehr als doppelt belegt waren. So sollen hier bei den schweren Angriffen der letzten Kriegsjahre bis zu 2.000 Menschen Schutz gefunden haben.

Blick von Südwesten auf den Ostbunker.
Bildquelle: Haubrock, 2014

Die für Osnabrück ungewöhnliche Höhe des Turmbunkers von ca. 20 Metern machte sich die Flugabwehr zunutze und errichtete auf dem Dach des Betonklotzes eine kleine Flugabwehrstellung, welche mit einem leichten Flakgeschütz zur Tieffliegerabwehr ausgestattet war. Entsprechende Aufbauten lassen sich auf dem beigefügten Foto aus Kriegszeiten deutlich erkennen. Der Zugang zum Dach erfolgte über einen Einstiegsschacht in der Decke des Bunkers. Heute existiert dieser jedoch nicht mehr.

Der Aufbau des Bunkers war einfach und pragmatisch. Zugang erlangten Schutzsuchende über zwei vorgelagerte Eingangsbauwerke an der Nordseite des Bunkers, welche zugleich auch als einfache Gasschleusen dienten. Hatte man diese passiert, gelangte man zunächst in den Flur des Erdgeschosses, welcher beide Zugänge mit dem zentral gelegenen Treppenhaus verband. Auf dieser Ebene waren auch die Räumlichkeiten des Bunkerwarts untergebracht. Die Schutzräume für die Öffentlichkeit verteilten sich auf die oberen Ebenen und den Keller, in welchen zudem eigenständige Anlagen für die Frischluftzufuhr installiert waren. Die Schutzräume selbst bestanden damals aus kleineren Kammern von ca. 2m² bis 2,5m² Grundfläche. Dies war eine damals gängige Maßnahme, um im Falle eines Bombentreffers einzelne Räume besser voneinander absichern zu können. Im späteren Kriegsverlauf verzichtete man jedoch bei Neubauten zugunsten der Schutzsuchenden auf solche platzverschwendenen Maßnahmen.

Östliche Fassade des Ostbunkers in Osnabrück
Bildquelle: Haubrock, 2014

Obwohl der Bunker gegenüber den bis dahin verfügbaren Splitter- bzw. Deckungsgräben und LS-Kellern wesentlich massiver gebaut wurde, galt er aufgrund der Deckenöffnung und seiner geringen Wandstärke von 0,80 bis maximal 1,2 Metern nicht als bombensicher. Diese Tatsache mussten am 26. September des Jahres 1944 zwölf Menschen mit ihrem Leben bezahlen.

An jenem Dienstag war Osnabrück erneut Ziel amerikanischer Bomberverbände, nachdem erst zwei Wochen zuvor, am 13. September, einer der schwersten Luftangriffe nahezu die gesamte Innenstadt in Schutt und Asche gelegt hatte. Der Angriff vom 26. September zielte jedoch auf die Anlagen der Reichsbahn ab und trotz heftigen Flakfeuers gelang ein planmäßiger Abwurf aus einer Höhe zwischen 7.600 und 8.000 Metern. Jedoch verfehlten einige der 177 450kg-Bomben ihr vorgegebenes Ziel und detonierten abseits der Bahnanlagen. So auch an der Oststraße im Schinkel. Einer der Querschläger verfehlte hierbei nur knapp die Bunkerdecke des Ostbunkers, detonierte jedoch am Fuß der westlichen Bunkerwand. Die Sprengwirkung war so gewaltig, dass die ca. 80cm starke Aussenwand durch den Druck der Detonation eingedrückt wurde und nach Innen kollabierte. Die zwölf Osnabrücker, die sich zu dieser Zeit im Keller des Bunkers aufhielten, wurden von den Trümmermassen erdrückt, für sie kam jede Hilfe zu spät.

Blick von Südosten auf den Ostbunker im Osnabrücker Stadtteil Schinkel.
Bildquelle: Haubrock, 2014

Schon am nächsten Tag rückte ein Bautrupp an und besserte die Unfallstelle aus. Um eine weitere Katastrophe dieser Art zu vermeiden, wurde die Aussenwand an dieser Stelle zudem um einen halben Meter verstärkt. Diese Verstärkung ist auch heute noch neben dem jetzigen Eingang des Jugendzentrums erkennbar. Die Toten des Angriffs wurden später auf dem Gräberfeld für Bombentote auf dem Heger Friedhof beigesetzt. Insgesamt starben an diesem Tag 78 Menschen durch den Bombenangriff, 97 Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Nach dem Krieg wurde der Bunker zunächt durch Entfestigungsöffnungen im Obergeschoss für Luftschutzzwecke unbrauchbar gemacht, bevor im Jahr 1977 die Stadt Osnabrück den Bunker nach diversen Umbauten im Inneren zum Jugendzentrum umfunktionierte und bis heute betreibt. Die Tarnbemalung des Bunkers stammt übrigens nicht aus Kriegszeiten, sondern wurde erst in den 1970ern aufgebracht.

Wer sich den Ostbunker gerne einmal ansehen möchte, der kann sich auf der Seite des Jugendzentrums Ostbunker über die Öffnungszeiten und Ansprechpartner informieren.

Zusammenfassung

Bauherr
Stadt Osnabrück
Baubeginn
Januar 1941
Außenmaß - Länge
13,65 Meter
Außenmaß - Breite
15,00 Meter
Anzahl Stockwerke
6
  • Die Zahl beinhaltet ggf. auch Kellergeschosse
Aufnahmekapazität (offiz. Angaben)
775 Personen
  • Kapazität bei regulärer Belegung
Baumaterial
Eisenbeton
Heutige Nutzung
Jugendzentrum
Anmerkungen zum Zustand
erhalten

zur Übersichtskarte Standort

  • Nächstgelegene Straße: Oststraße, 49084 Osnabrück
  • Kartendaten: © Esri / ArcGIS | arcgis.com